Sonntag, 23. April 2017

ZWEI DURCH DICK UND DÜNN (Il ritorno di Shanghai Joe 1974 Bitto Albertini)


Der gutherzige Scharlatan Bill entdeckt auf der Suche nach Wasser für ein durstiges Dorf zufällig eine Ölquelle, welche sich der reiche Barnes unter den Nagel reißen will. Dessen Pläne das Dorf um seinen Reichtum zu bringen werden stets durch den umherziehenden Chinesen Shanghai Joe verhindert, der sich nach einiger Zeit mit Bill zusammen tut...


Zwei Fäuste und zwei Handkanten...

Ich hatte meinen Spaß mit dem eher tolpatschig umgesetzten, aber äußerst charmanten Versuch mit „Karate Jack“ die Genres Eastern und Western zu vereinen. Dementsprechend war ich erfreut zu lesen, dass es eine Fortsetzung gibt. Leider hatten die Produzenten mit „Zwei durch dick und dünn“ andere Pläne als mit dem Original, denn der deutsche Titel sollte sich nicht nur wie ein Bud Spencer/Terence Hill-Film anhören, man versuchte mit diesem Projekt tatsächlich an den Erfolgen des schlagfreudigen Duos anzuknüpfen, welches zu Beginn seiner Erfolgswelle in Spaß-Western unterwegs war. „Karate Jack“ war mit seinem anderen Genre-Mix als Alternative zur Western-Komödie gedacht und gewann lediglich durch die deutsche Synchronisation ein wenig an Humor. Eine leichte Verwandschaft zu den Spencer/Hill-Filmen war aber tatsächlich dort bereits erkennbar.

Das Einstreuen so ziemlich jeden Eastern-Klischees ließ den Vorgänger jedoch trotzdem anders wirken. Seine unbeholfene Art, das scheinbare Fehlen einer zu erzählenden Geschichte und die Besetzung des so gar nicht wirksamen Chen Lee machten aus dem Film etwas Besonderes. Er war zu charmant um ihn wirklich als missglückt zu bezeichnen und zu wackelig angegangen um ihn wirklich ernst nehmen zu können.

Die unter Regisseur Bitto Albertini entstandene Fortsetzung ist hingegen ein Formelprodukt, eine von Produzenten durchdachte Marketing-Idee zu einer Zeit, in welcher es noch nicht bewiesen war, dass man das Konzept der Spencer/Hill-Komödien nicht einfach mit ähnlichen Hauptfiguren kopieren kann. Auch Werke wie „Vier Fäuste schlagen wieder zu“ und „Vier Fäuste und ein heißer Ofen“ versuchten sich an einer solchen Kopie, dies sogar noch direkter angeknüpft als der hier besprochene Streifen, nach diesen missglückten Gehversuchen war man jedoch schlauer und ließ es bleiben die beiden beliebten Haudegen ersetzen zu wollen.

Anbei wurde Shanghai Joe für die Fortsetzung ebenfalls ausgetauscht. Statt Chen Lee agiert nun Chen Lie, klingt gleich, liest sich anders - aber vor allen Dingen schaut er sich auch anders, denn nun ist Shanghai Joe professioneller besetzt, was den Reiz dieser Figur im Wilden Westen mindert. Mit ernsterer Mine als sein Vorgänger agierend, obwohl die Fortsetzung im Gegensatz zu Teil 1 eine Komödie sein soll, besitzt er nicht mehr den Charme des Original Shanghai Joes, auch wenn die Neubesetzung definitiv besser kämpfen kann.

Leider ertönt aber auch mit jedem Kampf des Helden ein eigens für ihn komponiertes Shanghai Joe-Lied, deutlich orientiert an den Soundtracks der Spencer/Hill-Filme, aber eben leider so gar nicht passen wollend in einen schundigen Karatefilm, der im Wilden Westen spielt. Nicht nur dass die Fortsetzung dadurch um den flotten Soundtrack des Originals beraubt wurde (welches Caiano damals einfach von einem seiner früheren Filme übernahm), die Erkenntnis, dass eine musikalische Untermalung während der Kampfszenen diesen die Atmosphäre raubt, ging ebenfalls verloren.

So schaut sich „Return of Shanghai Joe“ (Alternativtitel) arg bemüht und leider auch anstrengend für den Zuschauer, der weder einen kurzweiligen Spencer/Hill-Klon vorgesetzt bekommt, noch solch unbeholfenen Spaß wie „Karate Jack“. Es wird diesmal eine echte Geschichte erzählt, die andererseits wiederum ziemlich uninspiriert ausgefallen ist. Und als Pluspunkt hat man Klaus Kinski diesmal für eine größere Rolle gewinnen können. Aber was nutzt dies, wenn das Endprodukt in seiner zu konstruierten Art lediglich langweilt, eben weil sie die Leichtfertigkeit eines funktionierenden Trivialproduktes vermissen lässt? Wer auch immer auf die Idee kam der Reihe ein neues Etikett aufkleben zu müssen, er wurde mit dieser Schnapsidee zumindest nicht belohnt, denn eine weitere Geschichte um Shanghai Joe ist nicht mehr entstanden. Zu wissen, dass dieses Produzentendenken nicht gefruchtet hat, beschert mir zumindest eine innere Zufriedenheit und somit eine Art Trostpreis nach dem Sichten eines missglückten Filmes.


Samstag, 22. April 2017

BLAIR WITCH 3 (Blair Witch 2016 Adam Wingard)


Der Bruder der seit Jahren vermissten Heather macht sich mit Freunden und Bekannten auf in die Wälder von Burkitsville, um das mysteriöse Haus zu finden, welches die letzten Aufnahmen der Dokumentarfilmerin zeigten. Schon bald geschehen im Wald merkwürdige Dinge...


Der menschliche Wurm...

Als 1970 Rainer Erler mit „Die Delegation“ die Filmmethode des Found Footage erfand, gelang ihm ein interessanter Ausnahmefilm, der die Medienwelt jedoch nicht nachhaltig beeindruckte. Deodatos 1980 erschienender Kannibalen-Schocker „Nackt und zerfleischt“ wies ebenfalls Passagen dieser Art zu Drehen auf, machte aber eher durch seine drastischen Gewaltdarstellungen von sich reden, anstatt durch den interessanten Doku-Stil, so dass er stilistisch wie intellektuell stark unterschätzt wurde und nur von Gore-geilen Horror-Freaks beachtet. Mit „The Blair Witch Project“ rückte 1999 das Genre des Found Footage erstmals für das breite Publikum in den Fokus. Von kleinen Nachahmern wie „The St. Francisville Experiment“ und die Amateurfilm-Zuschauerbeleidigung „The Dark Area“ einmal abgesehen, beides Filme die nur der Allesgucker der Videothekenwelt beachtete, blieb es jedoch erneut ruhig um die reizvolle Art mit Ruckelkameras Geschichten einmal anders zu erzählen.

Erst als „Paranormal Activity“ 2007 ein großer Zuschauererfolg wurde, da wurden auch kleine, wie große Studios endlich auf die Methode des Found Footage aufmerksam. Nachfolger wie „Cloverfield“ und „[Rec]“ wurden lukrative Hits, nervenkitzelnde Werke wie „Die Höhle“ gingen in der Flut billiger Direkt-DVD-Produktionen wie „Paranormal Entity“ und „RAW - Der Fluch der Grete Müller“ aber fast unter, während der Auslöser dieser Welle x Fortsetzungen erfuhr, inklusive Spinn-Off „Paranormal Activity - Die Gezeichneten“ und einer parallelen Fortsetzung, die in Japan zu Ehren des Originals gedreht wurde. Dass in dieser Welle nichts von einer Fortsetzung von „The Blair Witch Project“ zu hören war, verwunderte aufgrund der mit wenig Kosten zu scheffelnden Geldmacherei schon.

Zwar war man mit dem Misserfolg der 2000 erschienenden Fortsetzung „Blair Witch 2“ sehr übel in die Nesseln getreten, verachtete das Publikum doch diesen unterschätzten Versuch Teil 1 auf andere Art fortzusetzen, doch sollte dies all die geldgeilen Produzenten Amerikas eigentlich nicht wirklich davon abhalten weiter zu machen. Trotzdem war es erst 2016 endlich so weit. „The Blair Witch Project“, jener Film der die Wirksamkeit des Found Footage im Horror-Genre erkannte, bekam eine weitere Fortsetzung beschert, zu einer Zeit wo kein Hahn mehr nach ihr krähte und viele Cineasten ohnehin genervt vom Found Footage-Verfahren waren.

Er erschien also zu einer Zeit, in der man nichts um die Zuschauermeinungen im Internet geben musste, erst recht nicht als Freund der ersten Fortsetzung, die für „Blair Witch 3“ jedoch ignoriert wird. Und so ging ich trotz der kritischen Worte im Netz unvoreingenommen an die zweite Fortsetzung jenes Gruselfilmes heran, der mir einst die Angst lehrte und auch in etlichen Wiedersichtungen das Gefühl gab es vor lauter Furcht nicht allein zu Hause auszuhalten. Eine solch enorme Wirkung habe ich von „Blair Witch 3“ freilich gar nicht erst erwartet.

Etwas mehr Grusel-Feeling hätte es aber dann doch sein dürfen, denn der von den Regisseuren des Originals mitproduzierte „The Woods“ (Arbeitstitel) schaut sich bereits in der Vorphase, lange vor den ersten Gruselszenen, ziemlich mau, wenn rein technisch die Erwartungshaltung zwar mit neuen interessanten Aufnahmemöglichkeiten steigt, parallel dazu aber immer wieder zu bemerken ist, dass das Verständnis für Psychologie, welches Teil 1 sowohl im Erzählerischen als auch im Spiel mit dem Zuschauer bewies, so gut wie gar nicht vorhanden ist. Die obligatorischen Streitereien in der Gruppe, sowie diverse andersartige Gefühlsausbrüche, wirken nicht mehr authentisch. Sie entstehen, selbst betrachtet aus dem Blickwinkel der Ami-Kultur, in unglaubwürdigen Momenten aus nichtigen Gründen, lange bevor Elemente wie Hunger, Durst und Angst das alltägliche Verhalten manipulieren können.

Dennoch weiß allein der stimmige Wald zu wirken. Und dass die Verantwortlichen der Geschichte einen Störfaktor in die Gruppe eingebaut haben, der möglicher Weise das Projekt manipuliert, beschert der ansonsten wiedergekäuerten Story von Teil 1 einen Zusatzreiz. Sehr viel mehr war auch nicht nötig, bereits Teil 1 lebte vom „weniger ist mehr“-Prinzip und ließ den Zuschauer teilweise lediglich auf einen schwarzen Bildschirm, oftmals sogar nur auf verwackelte Aufnahmen der Botanik, starren. Immer dann wenn „The Blair Witch Project 3“ (Alternativtitel) seinen berühmten Teil 1 kopiert, schaut sich die zweite Fortsetzung tatsächlich auch am besten. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass jene Momente am besten wirken, in denen wir Aufnahmen aus Teil 1 sichten, die direkt eindringliche Erinnerungen daran wecken, wie unheimlich das Original ausgefallen war.

Das ist alles andere als ein Lob für eine Fortsetzung, und tatsächlich kann man schon einmal vorweg nehmen, dass „Blair Witch 3“ kein sympathisches Stück Film geworden ist. Als halb funktionierendes Stück mangelhafter Durchschnittskost ist er aber zumindest nicht wirklich schlecht ausgefallen. Zwar wird Adam Wingards Beitrag der Reihe gegen Ende immer ungruseliger und leider auch unsinniger (keine Ahnung was die so gar nicht nachvollziehbare Szene soll, in welcher die Hauptdarstellerin sich wie ein Wurm durch einen engen, unterirdischen Gang wuselt), ein Hauch Restatmosphäre bleibt aufgrund der gewählten Handlungsorte und der gruseligen Hintergrundgeräusche aber immer bestehen.

Im Internet wird dem Film oft vorgeworfen, dass er zu viel zeigt, und ab diesem Moment, in dem er sich in diesem Punkt vom kultigen Teil 1 distanziert, bergab ginge. Das kann ich nicht bestätigen. Es wird mehr gezeigt, aber nicht wirklich nennenswert mehr. Der Phantasie bleibt genügend Raum gelassen, wahre neue Erkenntnisse um die Legende der Hexe von Blair gibt es nicht. Aufgrund des mangelnden Gefühls für Stimmung und Glaubwürdigkeit tut es „Blair Witch 3“ sogar gut, dass er versucht hat mit flotteren Aktionen gegen den mangelnden Gruselgehalt anzukämpfen. Aber freilich machen solche Verzweiflungstaten nach längeren scheiternden Gehversuchen auch keinen guten Film mehr.

Es ist schade, dass „Blair Witch 2“ seinerzeit so wenigen zu gefallen wusste, der hatte immerhin eine tolle Idee die Reihe mittels Found Footage-Szenen aus dem Bereich des Found Footages herauszukatapultieren. Und ich denke das war die richtige Entscheidung. „The Blair Witch Project“ hätte im klassischen Filmverfahren weiter fortgesetzt werden müssen, dann wären sicherlich brauchbare Nachzügler dabei herausgekommen, vielleicht auch leicht verdaulichere als die etwas ungewöhnliche, für simple Geister zu sperrig erzählte, Geschichte der ersten Fortsetzung. Zumindest beweist nun „Blair Witch 3“, dass man nicht ewig auf erneut in die Wälder ziehende Dokufilmer setzen kann, das haut weder Eingefleischte noch Neulinge der Reihe vom Hocker - zumindest so lange, wie keiner mit an Bord ist, der das nötige Gespür dafür beherrscht, wie aus dem Original und dem Nachzügler „Paranormal Activity“ derart angsteinflößende Filme werden konnten.


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Donnerstag, 20. April 2017

THE REDWOOD MASSACRE (2014 David Ryan Keith)


Teenager sind mitten im Wald auf der Suche nach einem Haus, in dem einst ein schreckliches Familienmassaker stattfand, um zum 20. Jahrestages dieses Verbrechens dort Party zu machen. Nach und nach werden sie Opfer eines maskierten Irren, der mordend durch den Wald stampft...


Der Umleger...

Der semi-professionell umgesetzte „The Redwood Massacre“ mag manch einem aufgrund der sehr hohen Blutrate trotz seiner routiniert erzählten, allein schon in der „Freitag der 13.“-Reihe schon x-fach wiederholten, Geschichte gefallen haben, ich persönlich konnte im fertigen Produkt nicht einmal ein Stück mittelmäßige Kost für den hungrigen Dauergast im Genre erkennen. Zwar umgeht Regisseur und Autor David Ryan Keith die Peinlichkeiten eines „Slasher“ und Co, obwohl auch er sichtlich ein Fan der Vorlagen aus den 70er und 80er Jahren ist, andererseits verhindert sein zu professioneller Inszenierungsstil wiederum, dass man mit dem fertigen Produkt so großzügig umgehen könnte, wie mit Werken a la „Lock the Doors - Trügerische Sicherheit“, die einen Amateurfilm-Bonus besitzen.

Was soll man sagen? Um wirklich auch nur halbwegs gefallen zu können, ist einfach zu viel falsch gemacht worden. Ein maskierter Killer der immer und überall im Wald auftaucht, sobald sich Opfer gefunden haben, grast nicht einmal den bereits in der „Freitag der 13.“-Reihe minimal gesäten Spannungsbogen ab, bietet also nicht einen Hauch von dem was den Zuschauer angespannt im Sessel sitzen lassen würde. Wenn nun noch brutale Morde im Wald allein nicht ausreichen und im Zuge der Torture-Porn-Welle ausgewählte Opfer noch in einer Hütte gefoltert werden müssen, dann hat Keith einen weiteren Teil dessen nicht verstanden, was die Filme, die als Vorbilder des Streifens herhielten, ausmachte.

Müde Verbeugungen, wie das Türzuschieben aus „Blutgericht in Texas“, oder die Kopfbedeckung, die an „Freitag der 13. 2“ erinnert, welches wiederum aus „Der Umleger“ entliehen wurde, können nicht das ersetzen, was das simple Rezept eines Jason-Filmes ausgemacht hat. Zwar ist „The Redwood Massacre“ in tollen Waldkulissen gedreht, deren Unendlichkeit durch den Hintergrund deutlich wird und damit eine beunruhigende Stimmung hätte entfachen können, neben der Digitaloptik, die nie an das Bild klassischer Kameras heranreichen kann, verhindert ein noch größeres Problem das Entfalten einer nervenkitzelnden Atmosphäre: der mieserable Soundtrack.

Bedeutungsschwanger schwebt er über allen Szenen, hochdramatisch komponiert wenn simpelste Probleme in billig zusammengeschusterten Dialogen besprochen werden, übertrieben düster in nicht ansatzweise spannenden Momenten ausgefallen, und episch im Zweikampf gegen das maskierte Opfer erklingend, so als ob man gerade eine Kriegsschlacht in einem Historienfilm Hollywoods sichten würde. Zumindest weiß der zu aufdringliche Soundtrack Keith gegen Ende dabei zu helfen ein angebliches Finale vorzutäuschen, bevor der Film dann doch noch einen Bogen schlägt.

Das ist eine der wenig guten Ideen. Ich bin tatsächlich darauf hereingefallen, obwohl der Gegner recht schlicht ins angebliche Jenseits befördert wurde, was aber daran liegt, dass „The Redwood Massacre“ zuvor nicht gerade durch Einfallsreichtum zu überzeugen wusste, und ich ihm solch einen plumpen Schluss tatsächlich zugetraut hätte. Als kleiner Lichtblick hält zudem das Entstehen einer Freundschaft zwischen zwei Stereotypen her, von der einer in Vergleichsfilmen die typische Hassperson bis zum Schluss gewesen wäre, so dass sie sich hier überraschend zum vertrauenswürdigen Verbündeten mausern darf, was aber nur dann inmitten der komplett klischeelastigen Geschichte eine den Film positiv beeinflussende Veränderung hervorgerufen hätte, wenn man auch den Mut besessen hätte, sie als Final Girl einzusetzen.

Kurzum: „The Redwood Massacre“ steckt so tief in Stereotypen und Klischees einer immer wieder erzählten Geschichte fest, dass er in seiner sich endlos drehenden Gewaltorgie lediglich zu langeweilen weiß. Sympathische Figuren und ereignisreiche Momente sichtete man auch im Vorbild der „Freitag der 13.“-Reihe kaum, dafür besaßen die meisten von denen allein schon aufgrund des Soundtracks ein gewisses Maß düsterer Grundatmosphäre. Dass „The Redwood Massacre“ zudem noch auf DVD ohne deutschen Untertitel herausgekommen ist, so dass der Englischunkundige zum arg mäßig ausgefallenen Deutschton schalten muss, ist auch nicht gerade hilfreich für ein besseres Seherlebnis. Allerdings verfälscht die eher schlechte Synchronisation nicht die Qualität des Streifens. Der ist auch im Originalton langweilig und unoriginell ausgefallen. Einzig schade ist es um die wirksame Maske des Killers und das einladende Coverdesign, das richtig Lust auf den Film gemacht hat.


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Montag, 17. April 2017

DIE UNHEIMLICHE MACHT DER NINJAS (Iga ninpôchô 1982 Mitsumasa Saito


Wer auch immer Lady Ukyo besitzt, herrscht über das ganze Land. Donjo verbündet sich mit einem mächtigen Zauberer, der ihm ein Liesbeselexier mixt, welches Ukyo an Donjo binden soll. Ninja Jotaro, der die Zwillingsschwester Ukyos liebte, die zur Herstellung des Trankes sterben musste, versucht die Pläne Donjos zu durchkreuzen...


Warum man niemals eine wertvolle Teekanne verschenken sollte...

Sicherlich war das hier Erzählte 1982 schon nicht mehr neu, und auch im Härtegrad steht „Die unheimliche Macht der Ninjas“ hinter manch heftiger gearteten Werken zurück. Letztendlich ist der wilde Genre-Mix aus Eastern, Fantasy, Abenteuer, Märchen und Romantik aber trotzdem ein netter kleiner Zeitvertreib für zwischendurch geworden, der zumindest Leuten wie mir, die seltener Gast im asiatischen Kampfsportfilm sind, zu gefallen weiß. Da ich mich im Genre nicht so gut auskenne, weiß ich nicht wie innovativ die Kampfmethoden Donjos übernatürlicher Helfer sind. Somit konnte ich mich für den Säure kotzenden Einen und den „Critters“-artig Stacheln abschießenden Anderen begeistern.

Dass die eigentliche Geschichte Standard im Genre ist und die Kampfsportszenen lediglich routiniert ausgefallen sind, weiß ich auch als Ausnahmegast im Genre, letztendlich ist beides aber gut genug ausgefallen, um einen nicht ganz so ernst gemeinten Film tragen zu können. Wo andere Werke durch die Stärke des Helden bei sich ewig in Kreis drehender Story langweilen können, eben weil lediglich ständig die Gegner wechseln, da wissen die Gegner Jotaros auf gleicher Stärke, manchmal gar mächtiger zu kämpfen, so dass die Geschichte mal die gute und mal die böse Seite zum Sieger erklärt - nicht ohne am Ende den Guten ein Happy End zu bescheren, aber selbst dieses findet nur unter einem sehr großen Opfer statt.

Was der Magier von den Plänen des dümmlichen, wie machtgeilen und aufbrausenden Donjos hat, wird nie ganz klar, teilweise wähnte ich ihn für kurze Zeit als Fallensteller der guten Seite. Aber der Zauberer soll so böse sein, wie er dargestellt wird, gewinnt aber trotzdem in der Schlussszene an Sympathie, wenn er den Film mit einem humoristischen, selbstkritischen Kommentar schließt. Nicht nur er ist es, der „Ninja Wars“ (Alternativtitel) trotz der harten und halbwegs realistischen Umsetzung trotzdem zum Märchen werden lässt, auch die romantische Grundstimmung, zum Beispiel durch den Panflöte spielenden Ninja verkörpert, verweist den von Liebe und Macht handelnden Kampfsportfilm immer wieder auf das Genre Märchen, wenn auch eines für Erwachsene, mit diversen Fantasyelementen härter gezeichnet.

Viel mehr gibt es über „Death of a Ninja“ (Alternativtitel) nicht zu sagen. Manches Mal fällt der Plot etwas verwirrend aus, gerade was den Köpfetausch für die Augen europäischer Zuschauer betrifft, für welche die Asiaten schnell sehr ähnlich aussehen. An anderer Stelle geht es wiederum besonders schlicht und naiv vonstatten. Ruhige Szenen wechseln sich mit Actionmomenten ab, Einzelkämpfe mit Massenschlachten. Der im deutschen Titel hervorgehobene Begriff der Ninjas findet thematisch eher nebensächlich statt, kann auch eine reine Übersetzungsthematik der Deutschen sein. Ich weiß es nicht, der deutsche Untertitel war leider an der deutschen Synchronisation orientiert, nicht am Originalton. So oder so geht es um gut ausgebildete, über Magie verfügende Kämpfer, da interessiert es letztendlich nicht weiter ob diese sich nun Ninja nennen oder nicht.


KARATE JACK - ICH BIN EUER HENKER (Il mio nome è Shanghai Joe 1972 Mario Caiano)


Als Chinese im Wilden Westen ist er ohnehin schon ein gern verspotteter Exot. Als sich Karate Jack jedoch auch noch mit einem mächtigen Sklavenhändler anlegt, sind auf seinen Kopf 5000 Dollar ausgesetzt, so dass sein Leben in der Fremde von nun an noch unangenehmer ausfällt als ohnehin schon. Zum Glück weiß Karate Jack sich bestens gegen seine zahlreichen Gegner zu verteidigen...


Auge um Augapfel und Zahn um Zahnprothese...

Die gewagt klingende Idee eines Mixes aus den Genres Western und Eastern, umgesetzt in Italien, klang zwar reizvoll, aber dass „Karate Jack - Ich bin euer Henker“ tatsächlich unterhaltsam ausfällt, hätte ich nicht gedacht. Dementsprechend positiv überrascht wurde ich von einem Film, den man aufgrund seiner Schlichtheit und Banalität nie wirklich weiter empfehlen würde, der andererseits aber auch genau weiß was er eigentlich will und was er ist.

Die Geschichte geht eher episodenhaft vonstatten, ist Karate Jack doch unbesiegbar mit seinen ominösen Kampftechniken, die jegliches physikalische Gesetz außer Kraft setzen, und dementsprechend humoristisch guckt sich das gar nicht als Komödie ausgelegte Werk. Von unfreiwilliger Komik zu sprechen, würde die Verantwortlichen des Streifens dümmer aussehen lassen als sie es waren, ist der ironische Umgang im Spiel mit den Klischees beider Genres doch nicht zu übersehen, so dass der nach Außen ernste Plot recht augenzwinkernd erzählt ist.

Die Figur des Karate Jack ist klassisch demütig dargestellt. Er kämpft nur wenn es sein muss. Gutes wird mit Gutem vergolten, Schlechtes mit Schlechtem, und in seinem Reisesack trägt der Held allerhand Heilmittelchen, Teekräuter und anderweitige Mysterien Asiens mit sich herum. So freiwillig übertrieben, und damit unsinnig, wie „Der Mann mit der Kugelpeitsche“ (Alternativtitel) erzählt ist, in der ungekürzten Fassung schaut er sich zumindest ein wenig sinnvoller als in der damaligen deutschen Version, welche sowohl den Rückblick auf Jacks Ausbildung ausblendete, als auch den darauf aufbauenden Dialog im Endkampf gegen wen Ebenbürtiges.

Doch so weise und demütig Jack auch auftritt, immer wieder erfährt sein Tun aufgrund der Extreme der Inszenierung Widersprüche. Da reißt der gute Mann seinem Gegner völlig unnötig Augäpfel heraus, oder schickt seinem Erzgegner den abgeschnittenen Schopf eines Auftragskillers als Botschaft. Da man „Knochenbrecher im Wilden Westen“ (Alternativtitel) nicht als ernste Angelegenheit guckt, ist das aber nicht nur egal, es steigert den pulpigen Charme eines ungewöhnlichen und sympathischen Filmes.

Wer aufgrund der Werbeplakate und Mediencovers in Deutschland und im Ausland glaubt Klaus Kinski hätte tatsächlich eine größere Rolle ergattert, den muss ich enttäuschen. Klaus, ebenfalls mit dem Namen Jack beschenkt, kommt nach etwa einer Stunde für einen Auftritt weit unter zehn Minuten in „Karate Jack - Ich bin euer Richter“ (Alternativtitel) vor, und dieser gehört auch nicht gerade zu seinen großen Leistungen. Andererseits habe ich Kinski selten freiwillig so augenzwinkernd agieren sehen wie hier geschehen. Fast schon neigt seine Darbietung zur Albernheit.

Zum Ende hin wird Karate Jack als eine Art Lucky Luke dargestellt, der weiter reiten muss, um dort tätig zu werden, wo Menschen Hilfe benötigen. Dafür lässt er sogar seine große Liebe sitzen, ein weiterer Beweis dafür wie ethisch wundervoll der angeblich hochgradig ehrbare Mann agiert. Dass seine Aufgabe eigentlich gar nicht erfüllt ist, Menschen also weiterhin versklavt werden und weiterhin ein Kopfgeld auf Karate Jacks Kopf ausgesetzt ist, interessierte die Verantwortlichen von „Mein Name ist Karate Jack“ (Alternativtitel) nicht, die haben einen derart episodenhaften Flickenteppich abgeliefert, dass es ihnen egal ist, dass der Hauptgegner überhaupt nicht besiegt wurde.

Letztendlich ist es egal, eben weil „Shanghai Joe“ (Alternativtitel) nur als spaßiger Nonsens funktioniert, auch wenn man ihm in der Ausnahme manch gut inszenierte Szene zugestehen kann, in welcher dann auch die Kameraperspektiven etwas einfallsreicher ausfallen als im Restfilm. Es hat zwar tatsächlich mit „Zwei durch dick und dünn“ eine Fortsetzung gegeben, ob es darin aber tatsächlich noch um den Erzgegner aus Teil 1 geht, kann man wohl anzweifeln, ist aber auch egal, denn nach dem überraschend positiven Ergebnis des hier besprochenen Streifens bin ich so oder so neugierig auf Teil 2 und freue mich schon auf den Moment, wenn er sich in meinem Besitz befindet.


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